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Jean Seberg - American Actress

Donatello und Fosco Dubini Eine geheime Lebensgeschichte
Donatello und Fosco Dubini


BIOGRAFIEN

Donatello Dubini:

* 1955 in Zürich
† 26.03.2011 in Köln, Nachruf (© Dietrich Leder, WoZ 14/2011)

aufgewachsen in Rüschlikon/ZH

1975
Matura am Gymnasium Maria Hilf Schwyz

1975 - 1977
Filmakademie Wien

1977- 1979
Filmkollektiv Zürich

1979 - 1982
Studium an der Universität Köln, Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft (Magisterabschluss mit einer Arbeit über Richard Dindo)

1987
Förderpreis des Landes Nordrhein–Westfalen

1990
Bayrischer Filmpreis

1990
Dozent an der Ecole supérieure d’art visuel, Genève


Fosco Dubini:

1954
geboren in Zürich, Schweiz
aufgewachsen in Rüschlikon/ZH

1975
Matura am Gymnasium Maria Hilf Schwyz

1975 - 1982
Studium an der Universität Köln, Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft (Magisterabschluss mit einer Arbeit über den Schweizer Film)

1977 - 1979
Filmkollektiv Zürich

1987
Förderpreis des Landes Nordrhein–Westfahlen

1990
Bayrischer Filmpreis

1991
Dozent an der Universität Köln, Schule für Fernsehen und Film Bozen

1991
Dozent an der Ecole supérieure d’art visuel, Genève


FILMOGRAFIE

1978/79
GÖSGEN – EIN FILM ÜBER DIE VOLKSBEWEGUNG GEGEN ATOMKRAFTWERKE

1983/84
BLINDGÄNGER

1984
ÜBER MIR DER HIMMEL, UNTER MIR EIN SCHWARZES LOCH

1985/86
DAS VERSCHWINDEN DES ETTORE MAJORANA

1988/89
KLAUS FUCHS – ATOMSPION

1991
J.K. – ERFAHRUNGEN IM UMGANG MIT DEM EIGENEN ICH

1993
LUDWIG 1881

1995
JEAN SEBERG – AMERICAN ACTRESS

2001
DIE REISE NACH KAFIRISTAN

2001
THOMAS PYNCHON – A JOURNEY INTO THE MIND OF P.

2006
HEDY LAMARR – SECRETS OF A HOLLYWOOD STAR

2010
DIE GROSSE ERBSCHAFT

Eine geheime Lebensgeschichte

Kurz nach Jean Sebergs Tod beschuldigte ihr ehemaliger Ehemann Romain Gary in einer Pressekonferenz das FBI an ihrem Tod mitschuldig zu sein. Er berichtet, dass das FBI Ende der 60er-Jahre eine Kampagne gegen seine Frau geführt habe, weil sie für die Gleichberechtigung der Schwarzen eingetreten war. Das FBI habe Jean Seberg beobachtet und 1970 einen Zeitungsartikel iniziiert, in dem behauptet wurde, sie wäre von einem Schwarzenführer schwanger. Damit sollte sowohl dem Ansehen der Black Panther geschadet, wie auch die Karriere der Jean Seberg zerstört werden. «Airport» ist denn auch ihr letzter grosser Hollywoodfilm gewesen.

Jean Seberg, die tatsächlich im siebten Monat schwanger war, erlitt eine Frühgeburt und das Kind starb zwei Tage später. Um zu zeigen, dass dieses Kind eine weisse Hautfarbe hatte, liess Jean Seberg in ihrem Heimatort Marschalltown den Sarg offen aufstellen. Nach ihrem Tode und den Anklagen von Romain Gary, der ein bekannter Schriftsteller war, erklärte William Webster, der neue Chef des FBI, dass unter seinem Vorgänger Edgar G. Hoover unter der Bezeichnung COITELPRO ein Kreuzzug gegen bekannte Persönlichkeiten veranstaltet wurde, die sich an unamerikanischen Umtrieben beteiligten.

Heute sind die FBI-Akten zu Jean Seberg freigegeben. Sie dokumentieren die Beziehung der Schauspielerin mit einigen Führern der Black-Panther-Party. Dabei wurden ihre Telefonate abgehört und Wort für Wort protokolliert. Bei diesen Telefonaten benutzte Jean Seberg den Codenamen «Arisa». In diesen Berichten wird Jean Seberg vom FBI als sexuell pervers bezeichnet, da sie einen schwarzen Liebhaber hatte. Neben einer finanziellen Unterstützung hat Jean Seberg für die BPP auch Waffen gekauft und ihnen in ihrem Haus Unterschlupf gewährt.

Obwohl sie grosse persönliche Risiken auf sich nahm, wurde sie von der BPP nicht richtig ernst genommen und vor allem als Finanzquelle gesehen. 1971 kam es dann auch zum Bruch. In ihrem Film «Kill», bei dem ihr Ehemann Romain Gary die Regie führte, reisst sie sich ostentativ eine Afrolook-Perücke vom Kopf, als Zeichen, dass sie mit der BPP gebrochen hat.
In den folgenden Jahren bewegt sich Jean Sebergs Leben von Krise zu Krise. Sieben Mal soll sie versucht haben sich umzubringen. In der Rückschau erscheint Jean Sebergs Leben fremdbestimmt und überwacht. Aufgewachsen in einer Kleinstadt im protestantischen und prüden Mittelwesten, dann als 17jährige als Filmstar gefeiert und gleichzeitig von der Öffentlichkeit überwacht.

Otto Preminger, der sie für die Rolle der «Heiligen Johanna» aus 18.000 Bewerberinnen ausgesucht hatte, galt als schlimmer Regiedespot. Er hatte sich persönlich die Rechte an ihr gesichert. Bei den Dreharbeiten zur «Heiligen Johanna» bestimmte er, dass sie keine sexuellen Kontakte haben dürfte. Nach dem zweiten Film, der ein kommerzieller Misserfolg wurde, verkaufte er sie an Columbia. Jean Seberg meinte dazu, er habe sie weggeworfen wie ein gebrauchtes Kleenex.

Zwar konnte sie mit «A bout de souffle» einen der grössten Erfolge der «Nouvelle vague» feiern, aber viele ihrer anderen französischen Filme waren ebenfalls Misserfolge. Auch «Lilith», dem Film, den sie selbst am meisten schätzt, war kein Erfolg beschieden.

Nach dem Tod ihrer Tochter im Jahr 1970 begann sie das Geflecht zwischen den konspirativen Verhaltensregeln der Black-Panther, der realen Verfolgung durch das FBI, der Pressekampagne gegen sie, dem anschliessenden Schadensersatzprozess gegen diverse Zeitungen und einer eingebildeten Verfolgung nicht mehr auseinanderzuhalten. Neben all dem drehte sie noch Filme und musste sich auf die unterschiedlichsten Rollen einstellen.

Sie trennte sich von Romain Gary, mit dem sie zehn Jahre zusammengelebt hatte und heiratete ein drittes und ein viertes Mal. Zeitweise war sie von Alkohol, Tabletten und Drogen abhängig. Mehrere Male wurde sie in psychiatrische Kliniken eingewiesen. Die Rollenangebote wurden immer schlechter bis hin zu pornographischen Angeboten.
Es ist erstaunlich, wie sie nach einem solchen psychischen Verschleiss noch produktiv werden konnte. Sie wollte Schriftstellerin werden. Schon zu «Lilith» hatte sie in den «Cahiers du cinema» einen Text veröffentlicht. Sie schrieb ein Drehbuch mit dem Titel «Frontiers Palace», das aber nie verfilmt wurde. 1974 hat sie sogar einen eigenen Kurzfilm mit dem Titel «Ballade for the Kid» gedreht. Als die Polizei nach ihrem Tod die Wohnung durchsuchte, fand sie die ersten drei Kapitel einer Autobiographie.

Das Leben der Jean Seberg scheint so unwahrscheinlich, dass es sich der künstlichen Figur aus den Versatzstücken ihrer Filmrollen annähert. Auch ihr Tod passt in dieses Muster. Sie verlässt nachts, nur mit einer Decke umwickelt ihre Wohnung und bleibt verschwunden. Nach zehn Tagen am 8. September 1979 findet man ihre Leiche zwischen Vorder- und Rücksitz ihres Renaults nur einige hundert Meter von ihrer letzten Wohnung entfernt in der Rue General Appert. Der Tod war durch das Barbiturat Nebutal verursacht worden. Bei einer weiteren Obduktion wurde festgestellt, dass sie 7,94 Promille Alkohol im Blut hatte und nicht in der Lage gewesen sein konnte ein Auto zu steuern. Im Wagen wurden keine leeren Flaschen gefunden. Es gab Vermutungen, dass ihr der Alkohol iniziiert worden wäre. Da die Leiche aber bereits seit zehn Tagen in dem Wagen lag, konnten keine Einstichspuren mehr entdeckt werden. Ein halbes Jahr nach ihrem Tod wird ihr letzter Ehemann verhaftet aber dann wieder freigelassen.

In all ihren Rollen, auch in den schlechteren Filmen, hat sie diese eigenartige Ausstrahlung entwickelt, die gleichzeitig kühl und erotisch, kindlich und abgeklärt wirkt. In den 60er-Jahren stellte sie eine Leitfigur für eine Generation dar, die in ihr ein emanzipiertes Gegenmodell zu den üblichen kurvenreichen und mit blonden toupierten Haaren ausgestatteten Filmdiven sahen. Die Friseure wurden geradezu bestürmt von jungen Französinnen, die den “Coupe de Seberg“ verlangten.

Der Film versucht nicht einfach nur die Biographie Jean Sebergs zu erzählen. Es geht auch darum zu zeigen, wie ihre unterschiedlichen Filme zustande gekommen sind und welchen Regeln sie unterlagen. Es wird auch gezeigt, wie eine junge Schauspielerin in ein Labyrinth verschiedener Bilderfabriken und Bildagenturen gerät, wie sie sich verändert und am Ende ihres Lebens nicht mehr zwischen Fiktion und Realität zu unterscheiden vermag.