deutsch
franÇais
español
Synopsis
Credits & Technische Daten
Multimedia
Extras
Pressestimmen
Home
Filme
Aktuell im Kino
Shop
Pressecenter
Gästebuch
Newsletter
Links
Impressum
Kontakt
Leben ist Filmen
La vida es filmar


Beat Borter Interview mit Beat Borter La vida es filmar [Beat Borter]
Beat Borter

BIOGRAFIE

Geboren 1949 in Huttwil. Studien in Bern und Belfast. Unterrichtet Fremdsprachen, erteilt Filmkurse an Schulen und organisiert Filmanlässe. Gründungsmitglied sowie langjähriger Präsident des Filmpodiums Biel.
In den 90er Jahren eröffneten regelmässige Reisen nach Lateinamerika, insbesondere ans Lateinamerikanische Filmfestival in Havanna, neue Horizonte. Begann Filmkurse zu unterrichten, besorgte die Lateinamerika-Kontakte für das Festival de films de Fribourg und organisierte 1996 im Filmpodium Biel für FOCAL das erste Arbeitstreffen kubanischer und schweizerischer FilmemacherInnen.

Nach zahlreichen kleineren Videoarbeiten entstand 1967 eine spanisch gesprochene Dokumentation über Biel, als Geschenk an die Partnerstadt San Marcos in Nicaragua. 1998/99 entstand LA VIDA ES FILMAR, ein Film über Film, Träume und Glück im heutigen Havanna – und ein Künstlerporträt des (unterdessen auch hierzulande bekannten) kubanischen Filmemachers Fernando Pérez.

Der Dokumentarfilm gelang in die Schweizer Kinos sowie in Spielstellen in Städten wie Berlin, Wien, Innsbruck, New York, Miami, Buenos Aires. Zudem wurde er für den Bernischen Filmpreis nominiert, mit einer Studienprämie des Bundes ausgezeichnet und von zahlreichen Festivals im In- und Ausland eingeladen (u.a. Havanna, Cartagena, Montevideo, München, Nantes, Trieste, Fribourg, Solothurn). Einsatz im Schulfernsehen und im Abendprogramm u.a. von TV DRS.

Es folgte u.a. der Dokumentarfilm „bielbienne01-02.ch“ (51’), der zeigt, wie eine Stadt sich auf die Expo02 vorbereitet und wie ihre BewohnerInnen darauf reagieren (Nomination Berner Filmpreis, grosser Publikumserfolg in der Region Biel, Einsatz in Schulen).


FILME

BIEL-BIENNE
(Dokumentarfilm, 1997)

LEBEN IST FILMEN
(Dokumentarfilm, 1998)

BIELBIENNE01-02.CH
(Dokumentarfilm, 2002)

DIE KUNST DER EXAKTEN PHANTASIE
(Dokumentarfilm, 2006)

Interview mit Beat Borter

(Auszug)

«La vida es filmar» dokumentiert die Entstehung von «La vida es silbar» von Fernando Pérez. Warum Fernando Pérez?

Alle Filme von Fernando Pérez haben präzis und stimmig ausgedrückt, was in seinem Leben und in seinem Land vor sich ging: «Clandestinos» (1987) den noch ungebrochenen Glauben an die kubanische Revolution; «Hello Hemingway» (1990) die Bedeutung individueller Träume; «Madagascar» (1994) die lähmende Ungewissheit, wie alles weitergehen soll und nun in «La vida es silbar» die befreiende Suche nach dem eigenen Glück.
Dazu kommt, dass uns seit Jahren eine enge Freundschaft verbindet und wir in der Entstehungsphase von «La vida es silbar» viel zusammen diskutiert haben – auch darüber, die Dreharbeiten mit Video zu dokumentieren. Wobei mir immer vorschwebte, auch das Umfeld, die Strassen Havannas mit den vielen Schaulustigen und ihren Reaktionen, einzubeziehen.

Welche Abmachungen trafst du zu Beginn deiner Dreharbeiten mit Fernando Pérez?

Fernando sagte mir von Beginn an, ich könne drehen, was, wann und wie ich wolle. Während der fünf Wochen Drehzeit im Sommer 1998 gab es denn auch nur wenige Momente, in denen ich beispielsweise Interviewaufnahmen unterbrechen musste, weil er für eine Szene grösstmögliche Stille, oder gar die ganze Strasse, benötigte. Sonst liess er mich und meine kubanische Crew ohne Einschränkung arbeiten. Wir gehörten gewissermassen zum Filmteam, wobei wir freilich eine eigene, beobachtende Rolle hatten.

Dein Film wurde gleichzeitig mit «La vida es silbar» am Lateinamerikanischen Filmfestival von Havanna uraufgeführt. Du konntest ihn auch noch in zwei Städten der Provinz präsentieren; ausserdem wurde er sogar in der Festivalzeitung besprochen, eine Ehre, die stets nur einem kleinen Teil der rund 500 Filme zuteil wird...

Für mich waren die Reaktionen auf meinen Film in Kuba in der Tat überwältigend. Es war stets meine Absicht gewesen, einen Dokumentarfilm zu drehen, der sowohl in Kuba als auch in der Schweiz auf Interesse stossen würde.
Was dem kubanischen Publikum besonders gefiel, war die Art und Weise, wie ich mit den Schaulustigen umging. Eine ältere Frau sagte mir nach einer Vorstellung, ich hätte sie heute glücklich gemacht.
Manche Kubaner waren zunächst bezüglich der Länge des Films eher skeptisch. In Kuba gibt es seit einigen Jahren kaum neue Dokumentarfilme, und wenn, dauern sie höchstens 10 bis 20 Minuten. «La vida es filmar» ist da schon sehr ungewöhnlich, und auch Fernando hatte anfänglich seine Bedenken.
Heute hingegen sagt er mir, die Länge stimme und der Film berühre und bewege ihn sehr – und das ist für mich natürlich eines der schönsten Komplimente.

Es gab in Havanna europäische Journalisten, die sich eher enttäuscht zeigten, dass von den Schaulustigen nicht mehr pointierte Aussagen gegen die kubanische Regierung, den Staat oder das System im allgemeinen kamen. Hattest Du bei den Interviews das Gefühl, die Leute würden aus Angst nicht offen ihre Meinung äussern?

Natürlich wollen nicht alle Leute auf der Strasse und vor der Kamera offen über ihre innersten Überzeugungen und Gefühle sprechen. Aber es ging mir ja nicht darum, pointierte politische Aussagen zu provozieren. Meine Fragestellung war vielmehr diejenige von Fernandos Film: Wie kann man die schwierige Suche nach dem eigenen Glück gestalten? Was brauchen wir, um glücklich zu sein? Und darauf haben die Leute sehr spontan reagiert.
Die Absicht von «La vida es filmar» ist eben nicht die einer journalistischen Tagesarbeit, die schnell ein paar provokative Statements einfängt, um sie dann fernsehgerecht aufarbeiten und ausbeuten zu können.
«La vida es filmar» ist vielmehr eine Hommage ans Kino, an den Filmemacher und meinen Freund Fernando Pérez und an die Einwohner Havannas, die unter schwierigsten Bedingungen versuchen, ihr Glück zu finden.
Diese universelle Frage nach der Suche des Glücks im Leben besteht einerseits durchaus unabhängig vom System, in dem die jeweiligen Menschen leben, andererseits wurde sie natürlich auch im kubanischen Kontext beantwortet.
Beispielsweise sagte ein alter Mann: «Mir fehlt das wichtigste, die Partnerin», während ein junger Mann meint: «Mein Glück? Wie alle möchte ich dieses Land verlassen. Hier gefällt es mir nicht.» Bei dieser Stelle ging in den Provinzstädten jeweils ein Raunen durchs Publikum, da man eine solche Aussage in Kuba noch kaum je im Kino gehört hat. Natürlich sind solche Sätze auf der Strasse tagtäglich zu hören, aber auf der Leinwand oder gar am Fernsehen ist dies etwas Unerhörtes.
Die Diskussionen mit dem einheimischen Publikum haben gezeigt, dass «La vida es filmar» vielfältig auf diesen verschiedenen Ebenen gelesen wurde und der Film Aussagekraft über das Lebensgefühl im Kuba von heute besitzt.

Doch darüber hinaus haben die Leute in so unterschiedlichen Ländern wie Kolumbien, Argentinien und Uruguay, wo ich den Film vorführen konnte, seine Aussagen spontan auch auf die eigene Situation bezogen – und ich hoffe, dass dies auch hier in der Schweiz geschieht.

La vida es filmar [Beat Borter]

Von Thomas Schärer

Dokumentationen über Dreharbeiten, die seit geraumer Zeit vor allem Privatfernsehkanäle überschwemmen, verbreiten vorwiegend schmuddeligen PR-Charme oder verfallen Geniekult und ideellästhetischer Trittbrettfahrerei. La vida es filmar , der zweite Film des Bieler Kulturschaffenden Beat Borter, ist mehr als ein weiteres «Making of». Borter begleitete seinen langjährigen Freund Fernando Pérez im Sommer 1998 bei den Dreharbeiten zu La vida es silbar , der mit seinem vielschichtigen magischen Realismus in der Schweiz ein Kritiker und Publikumserfolg wurde.

Entstanden ist ein lebendiges Stimmungsbild nicht nur von den Dreharbeiten, sondern auch über die Einwohner Havannas. Von ihrer Anteilnahme am Entstehen eines Films können Filmschaffende hier zu Lande nur träumen: Verzückte Blicke und Staunen allenthalben spiegeln die intakte Magie des Kinos. Aber auch die Sehnsucht, dem schwierigen Alltag des «período especial» zu entfliehen, den Ballon - das eindrücklichste Requisit von La vida es silbar - zu besteigen und «andere Kulturen zu sehen».

Borter lässt die Equipe und viele Zaungäste zu Wort kommen. Was ist Film? Was kann er sein? Was ist Glück? Das Spektrum der Aussagen reicht von überzeugend vorgetragener offizieller Rhetorik bis zur populären Sicht, vor allem von jungen Kubanern: «Glück ist für mich Weggehenkönnen aus diesem Land.» Oft staunt man über den hohen Bewusstseinsgrad, und nicht selten blitzt so etwas wie Lebensweisheit auf. Auch Pérez selbst nimmt Stellung zu seinem vielschichtigen Film, dessen Bedeutung er nicht restlos erklären kann und will: «Die Gefahr besteht zu glauben, Glück könne man per Dekret erlassen. Jeder ist anders. Es ist eine individuelle Frage.»

Weitgehend chronologisch verfolgt Borter mit einer agilen Videokamera den Dreh, schwelgt zuweilen ein bisschen mit in der Fiktion, die Pérez mit dem Megafon sanft dirigierend herzaubert: etwa indem er einen Platzregen filmt, der sich aus Feuerwehrschläuchen über das ausgetrocknete Havanna, über eine Balletttänzerin im Fahrradtaxi ergiesst. Pérez ist überall, spielt den Schauspielenden mit Hingabe ihre Rollen vor und legt beim Gerüstaufbauselbst Hand an.

Auch wenn er im Mittelpunkt ist, wirkt er mit seiner zurückhaltenden Art nie dominierend. Die Essenz von La vida es filmar ist die trotz widriger Umstände omnipräsente Lebensfreude der Menschen auf den Strassen und ihre Begeisterung für das Kino. So wird Borters Dokument mehr noch als eine nüchterne Hommage an seinen Freund Pérez zu einer Ode an die Vitalität der Menschen in Kuba.


CINEMA - Online (Sélection CINEMA)

http://www.cinemabuch.ch/selection-cinema/la_vida_es_filmar.html