deutsch
franÇais
español
Synopsis
Credits & Technische Daten
Multimedia
Extras
Pressestimmen
Home
Filme
Aktuell im Kino
Shop
Pressecenter
Gästebuch
Newsletter
Links
Impressum
Kontakt
PIZZET – Vielleicht das letzte Jahr
PIZZET - Forsa l'ultim on


«Sie ist wohl nur zu ertragen, wenn man ihr freiwillig begegnet, die Stille der abgelegenen Alpentäler, und sie hat auch ihre bedrohlichen Seiten. Pizzet ist von dieser Ruhe nachhaltig geprägt. Die präzis kadrierten Bilder von Landschaft, Hof und Menschen, die der Kameramann Milivoj Ivkovic komponiert hat, ertragen keine lauten Töne. Es braucht Zeit und Geduld um auf die Sätze zu warten, die die Protagonisten, welche mit Geschick und einer langsam heranwachsenden Vertrautheit ins Bild gesetzt werden, sorgfältig formulieren.

Der Flurname Pizzet bedeutet “weder gross noch klein“. Ein fünfeinhalb Hektaren grosser Bergbauernhof im Val Müstair, der von einem älteren Paar bewirtschaftet wird. Noch für ein Jahr vielleicht, haben sie zu Beginn der Dreharbeiten gesagt und am Ende sagen sie es wieder, leiser allerdings, bewegt. Dazwischen liegt die Chronik der Jahreszeiten. Ein Kalb geht zum Metzger, ein neues wird geboren. Nur noch wenige Kühe stehen im Stall, längst wird er nicht mehr voll genutzt. Es gibt Besuch von Tochter und Enkeln, aber Nachfolger wird das Bauernpaar keine mehr finden. Die Kinder haben sich für einen Hof in Kanada entschieden. Geschwister schauen vorbei, noch einmal werden gemeinsam Lieder gesungen in der elterlichen Stube und sie stellen sich zum Gruppenbild vor dem stattlichen Bauernhaus auf. Ivo Zen sucht die Wurzeln seiner Familie mütterlicherseits, neugierig, genau, ehrlich. Seine Bilder, der Film, sind das was bleiben wird von diesem Pizzet und von einer Wirtschaftsform, deren Zeit sich definitiv dem Ende zuneigt.»

Peter Purtschert, Visions du Réel, festival international de cinéma de Nyon

«In den berührendsten Momenten des Films hört man das Stocken der ungeübten Stimmbänder, das Schlucken der ungeölten Kehlen. Der Mann soll von sich selbst sprechen, von seinen Träumen und davon wie es wirklich war. Es fällt ihm schwer seine eigentliche Verschlossenheit zu bekämpfen, sich den vorsichtigen Fragen des Neffen zu öffnen, die tröstende Ruhe des Alpentales zu sprengen. Der Neffe ist der Regisseur Ivo Zen, der die vorläufig letzten Betreiber des Bergbauernhofs der Familie im rätoromanischen Val Müstair in Graubünden portraitiert. Viele Fragen liegen auf der Hand und sind doch so schwer zu stellen: Ist diese Form der Bewirtschaftung im Jahr 2004 noch zweckmässig? Wird eines der Kinder den Hof übernehmen? Wird es der letzte Alpaufzug gewesen sein?
“Pizzet“ ist die Chronik einer Landschaft, das Portrait einer behutsamen Annäherung. Und gleichzeitig eine Art Abschied.»

47. Internationales Leipziger Festival für Dokumentar und Animationsfilm

«Eigentlich sollte es ja eine Diplomarbeit werden. Aus Ivo Zens Dokumentarfilm “Pizzet“ ist aber mittlerweile weit mehr geworden als eine “blosse“ Diplomarbeit. Etablierte Filmfestivals, wie die erst kürzlich zu Ende gegangenen 28. Duisburger Filmwochen, präsentieren den original romanischsprachigen Film, einige Fernsehanstalten, so etwa 3Sat, haben ihn bereits ausgestrahlt, andere zeigen derzeit Interesse. Gestern war der Film in Anwesenheit von Ivo Zen im Kino Apollo in Chur zu sehen.

Zens Erfolg kommt nicht von ungefähr. Zwei Jahre hat der in Sta. Maria (Val Müstair) aufgewachsene Cineast investiert, um “Pizzet“ zu realisieren. Dass im Film sein Herzblut steckt, trifft gleich in doppelter Hinsicht zu. Zum einen, da der 1970 geborene Zen als Protagonisten seinen Onkel und seine Tante – das Bauernpaar Tumasch und Antonetta – gewählt hat. Zum anderen, da sich “Pizzet“ (so der Name des Bauernguts) thematisch im Spannungsfeld zwischen Heimat und verlassen der Heimat bewegt; ein Thema, das auch den Filmer, der das Val Müstair vor Jahren zu Ausbildungszwecken verlassen hat, heute noch begleitet und beschäftigt. “Pizzet steht gewissermassen für alle Orte die man verlässt“; erläutert Zen.
Ob sie den Hof zu verlassen und aufzugeben gedenken, diese Frage stellt sich im Film auch dem Bauernpaar. Denn der Hof wirft nicht mehr genug ab, um die Existenz zu sichern. Während vier Jahreszeiten fängt Zen mit seiner Kamera ein, was im Leben von Tumasch und Antonetta geschieht und – nicht minder wichtig – geschah. Diesbezüglich gibt der Cineast einen weiteren Aspekt zu bedenken: “Ich möchte mit meinem Film zwei Welten vergleichen: Zum einen die ruhige Welt meines Onkels und meiner Tante, zum anderen die Schnelllebigkeit in den Städten“. Diesen Kontrast hat Zen denn auch künstlerisch einfliessen lassen, nämlich durch das Stilmittel Zeit. Einem jeden Wort gewährt der Filmer die Bedenkzeit, die es benötigt, um ausgesprochen zu werden. Dabei entsteht Ehrlichkeit. Dabei entsteht auch eine berührende Nähe. “Das ungewohnte Tempo beeindruckt die Leute“, hat der Bündner festgestellt.

Seine Ausbildung hat Ivo Zen an der Ecole supérieure des beaux-arts de Genève mit Erfolg absolviert. Von seiner Filmarbeit leben können, das wünscht sich der Bündner in erster Linie für die Zukunft. “Ich möchte in meiner Arbeit wahrgenommen und respektiert werden.“ Nachdem Zen mit “Pizzet“ nun bereits weit herumgekommen ist, schweben dem Filmer bereits Ideen für ein neues Projekt vor. “So viel kann ich sagen, der nächste Film soll wieder in Graubünden entstehen“, verrät Zen. Obwohl seine Interessen offenbar in Richtung Heimat wandern, und er das Val Müstair manchmal auch vermisst, zurückziehen möchte er derzeit noch nicht. “Die Brücke zwischen Heimat und Fremde ist immer einen sehr komplexe“, meint Zen. Doch wie auch im Film zu hören ist, hat er für sich einen Weg gefunden, um damit umzugehen, nämlich: “Mit der Heimat Frieden schliessen, so gut es geht.“»

Ladina Heimgartner, Bündner Tagblatt, 22.11.2004